Du bist 22 Jahre alt, kommst aus Hartberg und hast schon als Schülerin mit dem Skirennsport begonnen. Wie hat deine Skigeschichte angefangen?
Ich bin in Hartberg aufgewachsen und hatte mit St. Jakob im Walde (Ein keines Skigebiet mit 3 kleinen Liften) das nächste Skigebiet nicht gerade vor der Haustür. Meistens ging es einmal im Winter noch für einen Skiurlaub nach Flachau oder Wagrain. Mein persönlicher Favorit war dabei immer das Waldwegerl fahren – das ist bis heute irgendwie hängen geblieben.
Im Gymnasium Hartberg habe ich dann den Skizweig besucht. Eigentlich hätte ich mich damals viel lieber für Leichtathletik entschieden, aber die gab es erst ab der Oberstufe. So bin ich beim Skifahren gelandet und schließlich für sechs Jahre an die Ski HAK nach Schladming gegangen. Dort ging es vom Schülercup bis zu einigen FIS-Rennen. Mein größter Erfolg im Rennsport war der zweite Platz bei den Österreichischen Jugendmeisterschaften in der Abfahrt.
Nach einigen Jahren im Rennsport hast du dich Ende 2024 dazu entschieden, deine Rennkarriere zu beenden. Was hat dich zu diesem Schritt bewegt?
Irgendwann habe ich mich einfach nicht mehr als Skirennläuferin gesehen. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen, eines Tages in Zauchensee oder St. Moritz bei einer Weltcup-Abfahrt oder im Super-G zu starten. Der Sport an sich war immer noch schön, und gerade das Reisen mit dem Team und die gemeinsame Zeit waren etwas Besonderes.
Gleichzeitig hat mir das Freifahren abseits der Rennpiste immer mehr Spaß gemacht. Ich war auf der präparierten Piste und zwischen den Toren sicher unterwegs, aber sobald es in eine Buckelpiste oder in den Tiefschnee ging, war ich eher verloren. Das hat mich schon irgendwann gestört. Ich wollte einfach eine komplettere Skifahrerin werden.
Die Zeit als Rennfahrerin möchte ich aber auf keinen Fall missen. Sie hat mich sehr geprägt und meine Leidenschaft fürs Skifahren überhaupt erst so richtig entfacht.
Der Weg zur Skilehrerin war damals aber offenbar noch gar nicht so klar geplant.
Überhaupt nicht. Den verkürzten Anwärter haben damals eigentlich fast alle aus dem Kader gemacht. Es waren fünf Tage über Ostern und ich dachte mir, vielleicht kann ich die eine oder andere Technikübung auch für das Rennfahren mitnehmen.
Ich kann mich noch genau an eine Gondelfahrt erinnern, bei der unser Ausbildner gefragt hat, wer Interesse hätte, den Staatlichen Skilehrer zu machen. Ich habe mir damals nur gedacht: „Sicher nicht, das ist mir zu viel Gelände fahren“ (lacht)
Und dann hast du doch genau diesen Weg eingeschlagen. Was hat sich durch die Ausbildung an deinem Skifahren verändert?
Mein Verständnis vom Skifahren ist ein komplett anderes geworden. Vor allem beim Staatlichen habe ich verstanden, wie sich eigentlich der ganze Lehrplan wie ein roter Faden durchzieht und wie die einzelnen Dinge aufeinander aufbauen.
Viele Sachen habe ich jahrelang gemacht, ohne wirklich zu verstehen, warum sie genau so funktionieren. In der Ausbildung habe ich dann gelernt, warum eine bestimmte Technik sinnvoll ist und warum man einen bestimmten Fehler mit einer bestimmten Übung korrigiert.
Auch beim Skifahren selbst habe ich heute viel weniger Druck. Ich fahre, wie ich will, und so lange ich will. Wenn ich keine Lust mehr habe, kann ich einfach aufhören. Im Rennsport musste man durchbeißen – egal, wie schlecht die Piste oder wie grauslig das Wetter war. Natürlich muss man bei der Arbeit mit den Gästen auch immer raus, aber da habe ich wenigstens meine warme Skihose & wenn nötig 3 Jacken an.
Was gefällt dir heute besonders am Skilehrer-Sein?
Dass ich meine eigene Freude und Leidenschaft fürs Skifahren an andere weitergeben kann. Außerdem bin ich viel draußen in der Natur, habe tolle Arbeitskollegen und mag die Gemeinschaft in der Skischule und im Demoteam sehr.
Ich glaube, genau das verbindet den Rennsport und das Skilehrerleben für mich auch: Es sind die Menschen, die diese Leidenschaft teilen.
Im März 2026 bist du dann bei den österreichischen Skilehrer-Demomeisterschaften in Ramsau angetreten und hast den Einzeltitel der Damen gewonnen. Hast du vor dem Bewerb schon mit dem Gedanken an den Sieg gespielt?
Eigentlich nicht. Wir haben im Team beschlossen, dass wir alle fahren, und deshalb bin ich gestartet. Ich hatte mir vorher keine großen Gedanken über einen Sieg gemacht. Natürlich hofft man immer ein bisschen, dass es gut läuft, aber bei dem starken Starterfeld habe ich mir den ersten Platz nicht erwartet.
Ich war zu dem Zeitpunkt ja auch noch in der Ausbildung und habe mich eher überraschen lassen. Ich war im Winter viel auf der Piste und mit meinem Skifahren im Großen und Ganzen zufrieden, aber nur weil man eine höhere Ausbildung macht, heißt das ja nicht, dass man keine Fehler mehr macht oder automatisch jeden Tag einen guten Tag erwischt.
Ich habe mich eigentlich auch darauf gefreut, den anderen beim Fahren zuzusehen.
Wie bist du an diesem Morgen in den Bewerb gestartet?
Eigentlich ziemlich ruhig und motiviert. Ich habe gut geschlafen und gut gefrühstückt. Auch die Stimmung im Team war anfangs noch entspannt. Die Anspannung kommt bei mir meistens erst am Start – wenn man die anderen sieht, weiß, dass man gleich an der Reihe ist und plötzlich merkt: Jetzt wird es ernst.
Ich war bei der letzen Fahrt die Letzte am Start. Oben wird man dann natürlich schon nervös.
Was geht dir unmittelbar vor dem Start durch den Kopf?
Ich versuche mir immer einzureden, dass das, was ich kann, genug sein wird. Mehr kann ich in diesem Moment sowieso nicht. Ich denke mir dann: Warum sollte es auf der Piste immer funktionieren und ausgerechnet im Bewerb plötzlich nicht?
Ich versuche mittlerweile auch, mehr zu „chillen“. Das gelingt mir allerdings nur mäßig. Deshalb schließe ich oben am Start oft kurz die Augen und atme ein paar Mal tief durch.
Für mich ist Lockerheit beim Skifahren extrem wichtig. Wenn ich angespannt fahre, habe ich immer das Gefühl, dass man mir das sofort ansieht.
Und dann ging es los. Wie hast du die drei Fahrten erlebt?
Die erste Fahrt war Dynamisch lang. Dabei wird alles gerutscht, aber trotzdem sportlich gefahren, mit Stockeinsatz. Die lag mir nicht ganz so gut. Beim Kurzschwung wusste ich dagegen schon vorher, dass mir das eher mein Ding ist.
Beim Rhythmuswechsel war ich wieder etwas nervöser, weil mir dieser Wechsel in der Vorbereitung nicht immer so schön gelungen ist. Und gerade beim ersten kurzen Schwung nach dem Wechsel muss sitzen – sonst kämpft man die ganze Zeit nur mehr darum das Tempo zu kontrollieren
Während der Fahrt versucht man aber irgendwann einfach nur noch zu fahren und nicht mehr darüber nachzudenken.
Wie war das Gefühl, als du nach der letzten Fahrt unten angekommen bist?
Vor allem Erleichterung. Ich habe beim Abbremsen schon gemerkt, dass die Fahrt gut war und mir kein grober Fehler passiert ist. Die Fahrten haben sich insgesamt gut angefühlt. Beim Rhythmuswechsel war ich vielleicht etwas zaghaft, aber bei den kurzen Schwüngen hatte ich ein gutes Gefühl.
Da wusste ich zumindest: Mehr hätte ich heute wahrscheinlich nicht herausholen können.
Skilehrer. Er hat meine Entwicklung natürlich sehr eng miterlebt und ich habe sicher auch von ihm viel gelernt.
Was bedeutet dir dieser Titel heute, ein paar Monate später?
Für mich ist er vor allem eine Bestätigung dafür, dass sich die Arbeit an meiner Technik ausgezahlt hat.
Ich habe das Gefühl, dass ich heute eine viel komplettere Skifahrerin bin. Ich kann nicht mehr nur auf einer glatten Piste schön carven, sondern habe wieder viel mehr Freude an unterschiedlichen Arten des Skifahrens. Es muss nicht immer schnell sein. Ich mag mittlerweile auch langsamere Fahrten, bei denen es dafür umso mehr um eine exakte Technik geht.
Mein neuer Lieblingsschwung ist sowieso der Kurzschwung – dass ich das als ehemalige Speedfahrerin einmal sage, hätte ich früher wahrscheinlich selbst nicht geglaubt. (lacht)
Wenn man dich heute beim Skifahren sieht – was ist von der Rennfahrerin von früher noch übrig?
Ich bin mittlerweile definitiv eher die Chillerin beim Skifahren. Schön fahren ist mir inzwischen wichtiger als schnell fahren.
Trotzdem glaube ich nicht, dass ich all das ohne meine Jahre im Rennsport geschafft hätte. Das jahrelange Training hat mir eine Basis gegeben und war natürlich auch der Grundstein für meine Leidenschaft fürs Skifahren.
Ich glaube, heute verbinde ich einfach beides: die Erfahrung und Disziplin aus dem Rennsport mit der Freiheit und Freude, die ich als Skilehrerin gefunden habe.
Wenn mein früheres Ich mich heute in einer Buckelpiste sehen würde, wäre es wahrscheinlich ein bisschen neidisch – und gleichzeitig ziemlich überrascht. Mein früheres Ich hätte es dort früher vermutlich mindestens dreimal zerlegt. (lacht) Ganz passabel schaut es heute also aus. Von elegant und schnell sind wir aber auch noch ein kleines Stück entfernt.
Wenn du an den Tag in Ramsau zurückdenkst – was bleibt dir am stärksten in Erinnerung?
Komischerweise gar nicht nur der Titel. Ich denke sofort an die gute Stimmung im „Zielstadion“ am Rittisberg. Alle waren gut drauf & in Partylaune
Und natürlich bleibt mir in Erinnerung, wie sich das Team, meine Skischulkollegen, meine Freunde und meine Familie mit uns gefreut haben. Am Ende ist genau das für mich das Schöne am Skifahren: Es geht schon lange nicht mehr nur um Leistung. Es geht darum, gemeinsam etwas zu erleben, sich weiterzuentwickeln und Spaß an dem zu haben, was man macht.
